Projektarbeit:

Bilinguale Leseanimation Türkisch/Deutsch

Lesung mit Rosmarie Thüminger

 

 

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„Ich hab’s mir nicht ausgesucht, aber jetzt bin ich gerne da…“

Unter diesem Titel fand am 31. Jänner 2007 im Caritas-Integrationshaus Innsbruck eine Lesung mit Rosmarie Thüminger aus dem Buch „Fidan – zwischen Gestern und Morgen“ statt. Dabei präsentierte sich auch die Cin Ali Lernklub – Bibliothek, die den Kontakt zwischen der Autorin und dem Lernhilfeprojekt im Integrationshaus herstellen konnte.

„Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich hatte es in drei Stunden ausgelesen“, sagte eine begeisterte jugendliche Zuhörerin nach der Lesung im vollen Lernhilfesaal des Integrationshauses. Ihre Mutter wiederum wollte unbedingt von der Autorin wissen, wie es denn mit Zozan, der mit einem jungen Innsbrucker befreundeten Protagonistin des Buches, im echten Leben weiter gegangen war. Das Buch „Fidan“ hat offensichtlich einen empfindlichen Nerv der Zuhörerinnen getroffen.

Bücher aus dem Leben

Ersterschienen im Herbst 1999 schildert „Fidan“ eine aufregende Episode aus dem Leben eines kurdischen Mädchens in Innsbruck und wurde der Lernhilfe-Gruppe von der Cin Ali Lernklub-Bibliothek zur Verfügung gestellt. Es geht darin um türkische Elternsorgen, kindlich-anhängliche Geschwisterliebe und ganz triviale Teeniegefühle, wie die ersten Gehversuche auf dem umfassenden Gebiet der Liebe. Die Autorin Rosmarie Thüminger hatte damit 1999 ein Werk von bleibender Aktualität geschaffen, wie die rege Diskussion mit Übersetzung im Anschluss an die Lesung zeigte. Das Buch wurde im Jahr 2002 ein weiteres Mal vom Dachs-Verlag in der Problemreihe „Dachskonkret“ aufgelegt und ist derzeit vergriffen. Aber noch immer wird Rosmarie auch von Schulen zu Lesungen daraus eingeladen.

Parallelgesellschaft?

Das Generalthema ist das Spannungsfeld, in dem Mädchen und junge Frauen aus der Türkei in Österreich leben. Ein Spannungsfeld „zwischen Gestern und Morgen“, das sich ergibt, wenn junge Menschen gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Kulturen verwurzelt sind und eine für sich UND ihre Familie stimmige Identität entwickeln sollten. Die Diskussion im Integrationshaus zeigte nicht nur, dass das Thema brandaktuell ist. Das ist hinlänglich bekannt. Die Diskussion zeigte darüber hinaus, welche Funktion Bibliotheken und ihre sozialintegrativen Angebote für spezielle LeserInnengruppen haben kön¬nen.

Zwischen den Kulturen

Die Cin Ali Lernklub-Bibliothek versucht z.B. mit ihrem Angebot moderner türkischer Kinderliteratur einerseits das muttersprachliche Lesen und die frühe Sprachförderung in Einwandererfamilien aus der Türkei zu fördern. Andrerseits geht es ihr aber auch um die Vermittlung zwischen den Kulturen und Gesellschaftsgruppen. Das geschieht durch Kooperationen wie etwa hier mit dem Caritas Integrationshaus Innsbruck, dem sowohl deutschsprachige Jugend(sach)bücher als auch türkischsprachige Kinderbücher für die Lernhilfe zur Verfügung gestellt werden. Die Lesung und Diskussion wurden von einem anschließenden türkischen Abendessen abgerundet, das von der Lernhilfeverantwortlichen Ayse Yilmaz mit Hilfe einiger Helferinnen und der Dinnerklub-Freiwilligen zubereitet wurde. So konnten türkische Eltern und Jugendliche, aber auch Lernhelferinnen, SozialarbeiterInnen und andere Integrationsbewegte miteinander ins Gespräch kommen und erhielten so ein Stückchen mehr gegenseitiges Verständnis.

Ein herzliches Dankeschön an alle HelferInnen des Integrationshauses und die gratis lesende Autorin für das Gelingen der schönen Veranstaltung!